Übertreu
Konservatives Rechtsverständnis hört nicht bei erfundenen jüdischen Vermächtnissen und Schwarzgeldkonten auf. Dazu gehört auch, daß einem strafrechtliche Verantwortung für illegale Vermögenstransfers "nicht im Traum einfallen würde", sollten die Gelder ohne Abstimmung mit dem eigenen Apparat doch "einem linkswütigen Zeitgeist entgegengestellt" und damit für eine edle Sache verwendet werden - was mislang, da das beiseite geschaffte Vermögen samt Zinserträgen in voller Höhe vom Bundestagspräsidenten eingefordert wurde. Damit, so der konservative Schluss, wäre aber gleichzeitig bewiesen, daß man nicht im Eigeninteresse gehandelt habe: schließlich sei nun ja kein Cent in die eigene Tasche geflossen und der gegen die selbsternannten Law-and-Order-Sheriffs erhobene Vorwurf der Untreue somit absurd. Vielmehr, so Kanther, Weyrauch und Casimir Prinz Wittgenstein, sei das nicht nur "treu und redlich", sondern sogar "übertreu". Brutalstmöglich treu, sozusagen.
ZDF - Weyrauch: "Treu und redlich" >
SZ - Kanther: "Rechtsauffassung der Bundestagsverwaltung abwegig" >