Sprengwut

Dortmund, 1991. Photo: Kai Scharwacht

Dortmund, heute

Dortmund, in naher Zukunft
Als Flash-Animation mit Überblendung: Slideshow in groß
Im A bis Z der Photographie S wie Sprengwut. Auch A wie Abrisswahn, D wie Denkmalpolitik, verfehlte und S wie sich in die Zukunft sprengen.
Wenn eine Industrie derzeit floriert, dann das Abriss- und Sprenggewerbe. Unabhängig von teilweise bereits erklärtem Denkmalstatus und industriegeschichtlicher Relevanz einer Anlage wird so ziemlich alles abgerissen, was sich einschmelzen und so die heimischen Stahlkocher weniger Zukaufschrott benötigen lässt. Im Vergleich zur nicht geringen Abriss-Grundlast des letzten Jahrzehnts setzte in den letzten Jahren ein wahrer Boom ein. Entsprechend die Dimensionen: alleine in Dortmund wurden Areale von der zigfachen Fläche der kompletten inneren Innenstadt abgeräumt. Selbsterklärend am dankenswerterweise von Kai Scharwacht zur Verfügung gestellten und mir entsprechend der aktuellen Lage gepatchten Bildbeispiel. Vernichtet wurden: Hochofenwerk Westfalenhütte, die zum Fotozeitpunkt noch in Bau befindliche (sic!) Kokerei Kaiserstuhl III, Versuchsbergwerk Tremonia, Union-Brauerei. Oberster Sprengfreund: Oberbürgermeister Langemeyer, der unter der Erzeugung gigantischer Freiflächen, für die sich oft keine andere Folgenutzung als "grüne Wiese auf lange Zeit" erahnen lässt, "Dortmund in die Zukunft sprengen" versteht.
Nicht, daß das alles wäre. Bruchstücke der Liste dessen, was alleine in den letzten zwei Jahren verloren ging, inclusive teilweise denkmalgeschützter oder zur industriegeschichtlichen Dokumentation einmaligen Anlagen:
- Dortmund
- Westfalenhütte Hüttenwerk mit Sinteranlage, Hochofenwerk und Warmwalzwerk sowie Rasselstein Hoesch Kaltband
- Phoenix Ost Hüttenwerk mit Oxygenstahlwerk, Sekundärmetallurgie, Strangguss, ehem. Warmwalzwerk, ehem. Stahlgießerei und zahlreichen Sekundäranlagen
- Großkokerei DSK Kaiserstuhl III
- Großgasometer Zeche Minister Stein
- Union-Brauerei
- demnächst: Zentralkokerei Hansa
- Henrichshütte mit Oxygen- und Elektrostahlwerk, Sekundärmetallurgie, Gießhallen und Strangguss, Hattingen
- Hüttenwerk Ruhrort, Hochofen 7, Duisburg
- Anthrazit-Bergwerk Niederberg, Neukirchen-Vlyn
- Zeche Heinrich-Robert, Schacht Franz, Hamm
- Bergwerk Hugo 2/5/8 (komplett außer 2), Gelsenkirchen
- Bergwerk General Blumenthal 2/6, Recklinghausen
- Bergwerk General Blumenthal 8, Marl-Sinsen
- Kohlenwäsche Bergwerk Haus Aden/Monopol 1/2, Bergkamen
- Kohlenwäsche Bergwerk Westfalen, Ahlen
- Bergwerk Grimberg 3/4, Bergkamen
- Bergwerk Ewald Fortsetzung/Haard 1/2/3 (komplett außer 3), Oer-Erkenschwick
- Kokerei Hassel, Gelsenkirchen
- Braunkohlekraftwerk Vetschau, Vetschau
- Braunkohlekraftwerk Espenhain, Espenhain
- Kraftwerk Thierbach, Thierbach
- Sodafabrik Matthes und Weber, Duisburg
- Continental-Werke, Limmer
- Parkstadion, Gelsenkirchen
- Konrad-Adenauer-Haus, Bonn
- Sparkassenhochhaus "Langer Eugen", Hagen
- demnächst: Bergwerk Haus Aden/Monopol 1, Bergkamen
- demnächst: Neue Maxhütte, Sulzbach-Rosenberg
- Kokerei Terte, Belgien
- Kokerei Buda Marly, Belgien
- Kokerei Sluiskil, Niederlande
- Kalimine Marie-Louise, Frankreich
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